Sytze van der Laan zur aktuellen Debatte um das Steuerzulagemodell des Bundes
Hamburg, 30. Juni 2006 - Sytze van der Laan, Vorsitzender der Geschäftsführung der Studio Hamburg Produktion:
»Wir haben uns in den verschiedenen Sondierungsgesprächen vehement für das Steuerzulagemodell eingesetzt und würden es sehr begrüßen, wenn es auf Länderebene nun konsensfähig ist. Denn die Einführung würde allen zugute kommen, Produzenten wie Serviceunternehmen. Und wir können es uns nicht leisten, in dem Wachstumsmarkt Medien von unseren europäischen Nachbarn abgehängt zu werden.
Aber das ist nur ein erster Schritt! 'Planungssicherheit durch vorhersagbare Rahmenbedingungen' sollte die Devise lauten. Dies wird durch das Zulagemodell verbessert, aber zu regeln bleibt die Betriebsstättenproblematik für Koproduktionen, die durch den aktuellen Medienerlass praktisch zum Erliegen gekommen sind. Unsere deutsch-kanadische Kinoproduktion 'The Conclave' war 2005 eine seltene Ausnahme der Regel. In einem vereinten Europa mit dem Blick auf den Weltmarkt muss es praktikable Regelungen für diese wirtschaftlich und künstlerisch wichtige Zusammenarbeit zwischen Produzenten unterschiedlicher Nationen geben.
Das dritte Thema ist die Quellensteuer, die Zwangsbesteuerung von ausländischen Künstlern, die hier in Deutschland erst mal 25% abführen müssen, um sie dann ein Jahr später mühsam wieder zurück zu bekommen. Wir erhalten deswegen Absagen von namhaften Leuten, die keine Lust haben, auf ihr Geld zu warten.
Bedenklich scheint mir aber auch in der aktuellen Föderalismusdebatte der Plan, die Kulturhoheit noch weiter an die Länder abzugeben. Dies führt zu einem verschärften Wettbewerb der vier großen Medienstandorte Berlin/Brandenburg, Hamburg, Köln und München und damit zur Aufsplittung der Budgets auf mehrere Finanzierungstöpfe bzw. Länder; Geld, das man nicht auf der Leinwand sieht und in der Produktion schmerzlich vermisst. Hier sollten im Gegenteil Kräfte gebündelt werden. Deshalb plädiere ich nach wie vor für eine starke Förderung auf Bundesebene im kommerziellen Bereich, wie z.B. mit dem Steuerzulagemodell, auf rein wirtschaftlicher Basis. Sowie auf Länderebene für eine starke Kooperation für den künstlerischen Film. Norddeutschland spielt dabei mit dem geplanten Zusammenschluss der Filmförderungen von Hamburg und Schleswig-Holstein zum Glück eine Vorreiterrolle, und d! ie Länder sollten dafür nachdrücklich gelobt werden.«
Weitere Stimmen zu dieser Debatte in der aktuellen Ausgabe von Blickpunkt:Film.
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