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Balkan in Flammen | Mittwoch, 05. Juni 2019 | 20.15 Uhr | ZDFinfo

Balkan in Flammen | Cinecentrum

Balkan in Flammen | Mittwoch, 05. Juni 2019 | 20.15 Uhr | ZDFinfo

Kurz vor der Jahrtausendwende schockieren in Südosteuropa erbitterte Kriege die Weltöffentlichkeit, gefolgt vom Zerfall Jugoslawiens. Noch immer sind die Gräuel dieser blutigen Nachbarschaftskämpfe in den Ländern der ehemaligen Föderation präsent und bis heute ist die Region im Herzen des Balkans nicht zur Ruhe gekommen. Zum zwanzigsten Jahrestag des Kosovo-Krieges versucht die dreiteilige Dokumentationsreihe, den Ursachen der Konflikte auf den Grund zu gehen.

Die Filme schildern, wie sich über Jahrhunderte hinweg unter dem Einfluss konkurrierender Herrscher und Reiche ein Ländergebilde formte, in dem schließlich fünf Nationalitäten mit drei Sprachen und vier Religionen leben – buchstäblich über die gesamte Region verstreut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brechen die ersten ethnischen Konflikte aus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelingt es dem schillernden Diktator Josip Broz Tito, ein geeintes Land zu schaffen: Seine „Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien“ wird zum Vorzeige-Staat, der unter dem Wahlspruch „Zusammenhalt und Brüderlichkeit“ die Utopie eines Vielvölkerstaates wahr werden lässt und in der ganzen Welt Anerkennung findet. Die Konflikte jedoch bleiben hinter der Fassade der heilen Welt verborgen: Tito erfüllt seine Rolle als fürsorgliche Vaterfigur Jugoslawiens mit eiserner Faust, schlägt alle separatistischen Bestrebungen brutal nieder, lässt Kritiker und Andersdenkende in Geheimgefängnissen verschwinden. Auch der unter seiner Führung errungene Fortschritt und Wohlstand ist nicht von langer Dauer.

Nach seinem Tod 1980 hinterlässt er eine Republik in der Wirtschaftskrise, geprägt von Armut und Angst um die Zukunft. Die parallel dazu erneut aufkeimenden nationalistischen Strömungen machen sich politische Strategen wie der Serbenführer Slobodan Milosevic und sein kroatischer Gegenspieler Franjo Tudjman für ihre Ziele zunutze. Schließlich wird in allen Staaten Jugoslawiens der Ruf nach Eigenständigkeit laut. Eine politische Lösung scheint spätestens Anfang der 1990er Jahre ausgeschlossen. Die ersten Teilrepubliken spalten sich ab, praktisch über Nacht werden vielerorts Freunde und Nachbarn zu Todfeinden. Unter Tudjmans Führung beschränkt Kroatien die Rechte der übrigen Ethnien, allen voran der Serben. In Serbien schürt Milosevic die Angst seiner Landsleute vor ethnischen Säuberungen und lenkt die Volkswut auf die dort lebenden Kosovoalbaner. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen werden zum Flächenbrand – die Jugoslawienkriege entwickeln sich zu den grausamsten Konflikten in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Genozide wie in Srebrenica und Massenvergewaltigungen in Bosnien bedrohen jahrelang die Bevölkerung. Bosnien-Herzegowina, das Land in der Mitte ohne dominierende Ethnie, ist bis heute politisch und sozial geteilt.

Mit Hilfe internationaler Experten und bewegenden Aussagen vieler Zeitzeugen untersuchen die Filme die Entstehung des Staatengebildes, die Ära des legendären Diktators Tito, die Jugoslawienkriege in den letzten zehn Jahren des Millenniums – und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart. Welche Zukunft hat die Region in einem kriselnden Europa?

Autor und Regie: Franziska von Tiesenhausen, Klaus Kastenholz
Kamera: Tomislav Krnić, Amel Đikoli, Nikola Krivokuca, Ion Casado, Micha Bojanowski, Andrzej Król, Jeroen van Zuilen, Terry Manthey
Schnitt: Doreen Buchholz, Sven Voß
Design/Animation: Henning Tietz
Komponist: Martin Glos, Christian Ziegler
Produktionsleitung: Ron Glavas
Producer: Stefan Bomhof, Veronika Mendler
Produzentin: Dagmar Rosenbauer
Redaktion: Susanne Krause-Klinck, Christian Deick, Michael Strompen

„Balkan in Flammen“ ist eine Produktion der Cinecentrum Gesellschaft für Film- und Fernseh mbH im Auftrag für das ZDF.